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Lauda goes Ryanair – Beschäftigte geraten immer mehr unter Druck

Das Modell Ryanair ist in Wien angekommen – Die Umbrüche verunsichern Beschäftigte, das kann die Flugsicherheit gefährden

ACA betrachtet die internen Entwicklungen der letzten Monate und das Vorgehen der Geschäftsleitung von Laudamotion GmbH als höchst kritisch.

Lauda außen, Ryanair innen. Beschäftige fühlten sich sicher, da es einen Kollektivvertrag gibt. Im Sommer kam es zu einseitigen Forderungen der Geschäftsleitung für eine Betriebsvereinbarung. Den Betriebsräten räumte man eine Bedenkzeit von 14 Tagen ein und forderte die Erhöhung der jährlichen, maximalen Flugzeit und eine Umgestaltung des Arbeits- und Freizeitmodells der PilotInnen. Würde nicht zugestimmt, müssten 30 PilotInnen gehen. Um den Druck auf die Mitarbeiter noch mehr zu erhöhen, kündigte die Geschäftsführung an, sie bei Bedarf durch polnische Leiharbeiter zu ersetzen. Diese Leiharbeiter sollten von der Tochterfirma von Ryanair, „Buzz“, nach Wien versetzt werden.

Heute wurde bekannt, dass sämtliche neu eingestellte PilotInnen und FlugbegleiterInnen nicht mehr direkt bei Lauda angestellt werden, sondern einen befristeten Leiharbeitervertrag bei “einem noch zu gründenden externen Vertragsanbieter (wie die Pressesprecherin von Laudamotion auf APA-Anfrage erklärte) erhalten werden. Warum die Airline so vorgeht, ist nicht nachvollziehbar, vielleicht hoffte man, dass der noch nachwirkende Kollektivvertrag auf diese Beschäftigten keine Anwendung findet. Es wird befürchtet, dass diese Verträge keine designierte “Homebase Wien” enthalten, und man rechnet mit „Strafversetzungen“. Dieses Vorgehen zeigt eindeutig einen erneuten Versuch, österreichisches Arbeitsrecht zu unterwandern.

Vier Mitarbeiter wurden gekündigt, weil sie ihre Zusatzfunktionen zurücklegten. Sie wollten die Verantwortung für diese Aufgaben (Flugbetriebsleiter, technischer Pilot, Trainingsleiter) – zusätzlich zu 100% Arbeitszeit – nicht länger übernehmen. Extra Arbeitszeit, in der man die Funktion gewissenhaft ausüben kann, wie es bei anderen Airlines üblich ist, wurde nicht zugestanden.

Eine Betriebsrätin wurde gekündigt – noch während sie einen Kündigungsschutz hatte! Laut dem Nachrichtenmagazin „AustrianAviation.net“ wird die heute stattfindende Neuwahl des Betriebsrates vom (von Irland eingesetzten) Personalchef von Ryanair als „null und nichtig“ erachtet, da er laut seinen Angaben nichts von einer Neuwahl weiß, und die Listenerste des zu wählenden Betriebsrates jene ehemalige Betriebsrätin ist, die entlassen wurde.

Krank sein kann Auswirkungen haben. Sobald eine höhere Anzahl an Krankenstandstagen im System registriert wird, erhält der Mitarbeiter einen Brief vom Chef. Klar ist, dass sich Mitarbeiter aus Angst vor Konsequenzen (Kündigung) nicht mehr krankmelden, sondern im Zweifelsfall lieber „etwas“ krank zum Flugdienst erscheinen. Als PilotIn nicht 100%ig gesund in ein Passagierflugzeug zu steigen, erachten wir als ein erhebliches Risiko für die Flugsicherheit.

In keiner Airline soll auf Mitarbeiter ein derartiger Druck lasten, wie es derzeit bei Lauda der Fall ist. Im Gegenteil. Es bedarf einer gelebten Sicherheitskultur. Man muss krank sein „dürfen“, ohne Angst zu haben, man muss Fehler melden können, ohne gekündigt zu werden. All das vermissen Besatzungsmitglieder bei Lauda derzeit in hohem Maße. Wir fordern die österreichischen Behörden auf, zu prüfen, ob die Vorgangsweise der Lauda Geschäftsleitung den geltenden Gesetzen entspricht.