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Corona und wir

“No matter how much falls on us, we keep plowing ahead. That’s the only way to keep the roads clear.”  ― Greg Kincaid

Capt. Isabel Doppelreiter, Präsidentin der ACA:

Noch vor einigen Wochen hätte man sich diese Entwicklungen kaum träumen lassen, es ist, als wäre man in einen wirklich schlechten Film katapultiert worden. Aber es ist beinharte Realität. Corvid-19 hat enorme Auswirkungen auf uns, unseren Alltag, die Wirtschaft, den Beruf, das Leben.

Die meisten von uns haben schon so einige Krisen der Luftfahrt miterlebt und doch scheint es diesmal fast wie eine Kombination aus Wirtschaftskrise, Golfkrieg und  9/11 zu sein. Als Piloten und Pilotinnen sind wir ganz klar eine Gruppe von Menschen, die mit Gefahren und Krisen-Situationen sehr bedacht und rational umgeht. Und wir gehen verantwortungsvoll mit unserer eigenen Gesundheit um. Direkten Kundenkontakt haben wir im Normalfall keinen und auch Begegnungen mit Tankern, Mitarbeitern auf der Rampe und anderem Flughafen-Personal sind schon im normalen Alltag zeitlich sehr beschränkt.

Trotzdem ein Appell an alle Mitglieder: passt besonders auf euch auf! Wäscht eure Hände, wann immer es geht, wo es unmöglich ist, desinfiziert sie regelmäßig! Achtet auf das Desinfizieren der Arbeitsflächen! 

Die Aufforderung nach Einschränkung der sozialen Kontakte ist zwar extrem schwierig, wenn man in einem Flugzeug mit anderen auf relativ engem Raum zusammenarbeitet, aber es gibt auch noch die Freizeit, in der Ihr dieser Aufforderung nachkommen könnt. Obwohl wir unsere Freunde und Familien so und so schon recht unregelmäßig und selten sehen, ist es jetzt enorm wichtig, sich an die Anweisungen der Bundesregierung zu halten. Ich weiß, wie schwer das für uns alle ist.

Meine Nichte wird nächste Woche ein Jahr alt, ich werde mit Ihr wohl via Facetime feiern. Auch die Chemo einer mir sehr nahestehenden Person muss weitergehen und sie fürchtet sich berechtigt, vor Menschen, die einfach nicht einsehen wollen, dass wir,  wenn wir jetzt nicht alle zusammenhalten, Menschen mit sehr schwachem Immunsystem und ältere Bürger damit in Gefahr bringen.

Das Gelingen all dieser Maßnahmen können wir durch unser Verhalten und mit unserer Vorbildfunktion beeinflussen. Je früher wir das schaffen, desto früher kann wieder damit begonnen werden, den Weg zurück zur Normalität zu finden. In unser aller Interesse.

Wir hoffen, dass es nicht zu einem vollständigen Erliegen des österreichischen Luftverkehrs kommt. Sollte das tatsächlich eintreten, dann wird das hart für alle. Aber WIR werden wieder abheben und für diese Zeit sollten wir gerüstet sein.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist ACA via Video-Konferenzen und Mail mit unseren Schwesternverbänden in engem Kontakt, um uns gegenseitig mit notwendigen Infos zu versorgen. Obwohl unser Büro im Office Park die nächsten Tage nicht besetzt sein wird (Home-Office), sind wir wie gewohnt telefonisch – auch über die Notfallsnummer – zu erreichen.

Lauda goes Ryanair – Beschäftigte geraten immer mehr unter Druck

Das Modell Ryanair ist in Wien angekommen – Die Umbrüche verunsichern Beschäftigte, das kann die Flugsicherheit gefährden

ACA betrachtet die internen Entwicklungen der letzten Monate und das Vorgehen der Geschäftsleitung von Laudamotion GmbH als höchst kritisch.

Lauda außen, Ryanair innen. Beschäftige fühlten sich sicher, da es einen Kollektivvertrag gibt. Im Sommer kam es zu einseitigen Forderungen der Geschäftsleitung für eine Betriebsvereinbarung. Den Betriebsräten räumte man eine Bedenkzeit von 14 Tagen ein und forderte die Erhöhung der jährlichen, maximalen Flugzeit und eine Umgestaltung des Arbeits- und Freizeitmodells der PilotInnen. Würde nicht zugestimmt, müssten 30 PilotInnen gehen. Um den Druck auf die Mitarbeiter noch mehr zu erhöhen, kündigte die Geschäftsführung an, sie bei Bedarf durch polnische Leiharbeiter zu ersetzen. Diese Leiharbeiter sollten von der Tochterfirma von Ryanair, „Buzz“, nach Wien versetzt werden.

Heute wurde bekannt, dass sämtliche neu eingestellte PilotInnen und FlugbegleiterInnen nicht mehr direkt bei Lauda angestellt werden, sondern einen befristeten Leiharbeitervertrag bei “einem noch zu gründenden externen Vertragsanbieter (wie die Pressesprecherin von Laudamotion auf APA-Anfrage erklärte) erhalten werden. Warum die Airline so vorgeht, ist nicht nachvollziehbar, vielleicht hoffte man, dass der noch nachwirkende Kollektivvertrag auf diese Beschäftigten keine Anwendung findet. Es wird befürchtet, dass diese Verträge keine designierte “Homebase Wien” enthalten, und man rechnet mit „Strafversetzungen“. Dieses Vorgehen zeigt eindeutig einen erneuten Versuch, österreichisches Arbeitsrecht zu unterwandern.

Vier Mitarbeiter wurden gekündigt, weil sie ihre Zusatzfunktionen zurücklegten. Sie wollten die Verantwortung für diese Aufgaben (Flugbetriebsleiter, technischer Pilot, Trainingsleiter) – zusätzlich zu 100% Arbeitszeit – nicht länger übernehmen. Extra Arbeitszeit, in der man die Funktion gewissenhaft ausüben kann, wie es bei anderen Airlines üblich ist, wurde nicht zugestanden.

Eine Betriebsrätin wurde gekündigt – noch während sie einen Kündigungsschutz hatte! Laut dem Nachrichtenmagazin „AustrianAviation.net“ wird die heute stattfindende Neuwahl des Betriebsrates vom (von Irland eingesetzten) Personalchef von Ryanair als „null und nichtig“ erachtet, da er laut seinen Angaben nichts von einer Neuwahl weiß, und die Listenerste des zu wählenden Betriebsrates jene ehemalige Betriebsrätin ist, die entlassen wurde.

Krank sein kann Auswirkungen haben. Sobald eine höhere Anzahl an Krankenstandstagen im System registriert wird, erhält der Mitarbeiter einen Brief vom Chef. Klar ist, dass sich Mitarbeiter aus Angst vor Konsequenzen (Kündigung) nicht mehr krankmelden, sondern im Zweifelsfall lieber „etwas“ krank zum Flugdienst erscheinen. Als PilotIn nicht 100%ig gesund in ein Passagierflugzeug zu steigen, erachten wir als ein erhebliches Risiko für die Flugsicherheit.

In keiner Airline soll auf Mitarbeiter ein derartiger Druck lasten, wie es derzeit bei Lauda der Fall ist. Im Gegenteil. Es bedarf einer gelebten Sicherheitskultur. Man muss krank sein „dürfen“, ohne Angst zu haben, man muss Fehler melden können, ohne gekündigt zu werden. All das vermissen Besatzungsmitglieder bei Lauda derzeit in hohem Maße. Wir fordern die österreichischen Behörden auf, zu prüfen, ob die Vorgangsweise der Lauda Geschäftsleitung den geltenden Gesetzen entspricht.