Auf Konfrontationskurs

Ryanair betont vor Aktionären gerne, wie schwierig es ist, mit Gewerkschaften zusammenzuarbeiten und Vereinbarungen zu treffen. Pilotenverbände können dieses Kompliment gerne zurückgeben. RYR hat 84 Basen in 35 Ländern (und ohne Töchter 420 Flugzeuge). Nach den Streiks im Vorjahr hofften viele Crews, dass es nun endlich zu Tarifverhandlungen, die Bestand haben, kommt, aber weit gefehlt. Mr. O’Leary hat sich im Vorjahr mit einigen Zugeständnissen Zeit erkauft. Diese Zeit hat das Unternehmen genutzt, AirMalta, Ryanair Sun in Polen und Laudamotion zu akquirieren.

Bislang gibt es nur in Italien, Belgien und Portugal Tarifverträge und einen Kollektivvertrag in Österreich bei Laudamotion. Tausende RYR Piloten haben nach wie vor keinen Arbeitnehmerschutz, genießen keine Arbeitnehmerrechte.

Diesen Sommer hat das RYR Management mit einer neuen Botschaft aufgewartet und warnte eindringlich davor, hunderte Jobs abzubauen zu müssen. Die Begründungen, Brexit-Unsicherheit, hoher Ölpreis, 737 Max Grounding, nehmen in der Industrie jedoch nur wenige ernst, angesichts eines zukünftigen Flugprogramms, das dichter ist, als das diesjährige und eines Managements, das kontinuierlich Piloten einstellt.

Aber RYR geht noch weiter. Mit der polnischen Tochter RYR Sun kommt ein noch billigerer Standort ins Spiel. Damit kann man perfekt Mitarbeiter weiter unter Druck setzen. Das spürten im August Pilotinnen und Piloten bei Laudamotion, “Austrian Wings” und „Der Standard“ berichteten. Hoher Leistungsdruck kann dann auch die Sicherheitskultur in einem Unternehmen gefährden. Auch das scheint bei Laudamotion der Fall zu sein, sonst sähe sich die zuständige österreichische Aufsichtsbehörde (ACG) nicht veranlasst, das Unternehmen zu überprüfen, wie „Der Standard“ am 30. August meldete.

RYR hat weiters vor, zahlreiche AOCs aus diversen europäischen Basen abzuziehen und in Malta anzumelden. Was das für die Zukunft bedeutet, kann noch nicht klar abgeschätzt werden (halten die Tarifverträge?), es würde überraschen, wenn sich die Airline plötzlich für ihre Mitarbeiter engagiert. Es ist damit zu rechnen, dass sich RYR Piloten europaweit gegen diese Entwicklungen wehren werden und weiterhin für die Etablierung von Verträgen und ihre Rechte als Arbeitnehmer kämpfen.

Ein Angestelltenverhältnis und Kollektiv-Verträge mit branchenüblichen Arbeitsbedingungen sind die Grundlage für einen sicheren Flugbetrieb. Erst dann kann sich eine solide Sicherheitskultur entwickeln, eine wichtige Voraussetzung für die Sicherheit in der Luftfahrt.